Monthly Archive for November, 2008

… was is´n mit Fußball?

Die 11Freunde waren einst das König unter die Zeitungen und der Radiosender Fritz hatte mal ein äußerst erfrischendes Logo. Außerdem hatten sie Johnny Haeusler und Jürgen Kuttner. Für Fritz bin ich irgendwann zu alt geworden, auch wenn Tommy Wosch neuerdings Unioner ist. Bei den 11Freunden weiß ich nicht sicher, wer von uns alt wird und wer hier eigentlich wem entwächst.

Philipp Köster scheint unterwegs das Verständnis für die Jugend abhanden gekommen zu sein, wenn ich seinen letzten Artikel über die Ultra-Kultur (“Der dressierte Fanblock”, #85) richtig deute. Die Dritte Liga, die von allen Profiligen aus Gründen der Armut am nächsten an den Fans und damit auch am dichtesten an der Fußballfankultur ist, findet praktisch nicht statt. Statt dessen tut sich eine Produktwelt aus TShirtsTütenTassenTaschen+Beutel auf, ich bekomme Besprechungen zu Tischkickern, DVD-Editionen und Fußballschuhen, Blondinencontent, der jeden Katzencontent toppt, und frage mich, was mit dem Spaß passiert ist. Mit der Begeisterung. Mit dem Kleinkram aus den Kreisligen. Ich will kein verdammtes Managermagazin für Sesselpupser, die Fußball nur aus dem Fernsehen kennen. Ich will nicht NEON mit Kunstrasen. Ich will keine blöde Sportbild für dämliche Angeber. Ich will genau das nicht, was Philipp Köster an der Ultra-Kultur bemängelt: Hülsen ohne Früchte.

Und dann schreibe ich das alles hin und erbose mich ganz fürchterlich, um einen Wimpernschlag später auf der Webseite der 11Freunde ein Interview mit Charly Körbel zu finden, das aus tausend Gründen fetzt, zum Beispiel auch deshalb:

»Nee, jetzt könnt ihr mich alle mal am Buckel lecken.«

[Charly Körbel: Die Eintracht ist mein Leben, 11freunde.de]

Das ist, was die 11Freunde immer ausgezeichnet hat. Ich hoffe sehr, dass es nicht verschütt´geht zwischen Hochglanz und Herrenkosmetik.

Deutschbuch für ausländische Ballkünstler.

Nachdem man als Fotograf die Bilder von Avedon und Cartier Bresson gesehen hat, formuliert man vor Verzweiflung seine Berufsvorstellungen neu. Zahnarzthelferin. Rechtsanwalts- und Notargehilfin. Oder Lebenshelferin.

Das RUND-Magazin hat einen Beitrag über Dennis Pauschinger gemacht, den Dolmetscher von Alex Silva und Thiago Neves. Dennis Pauschinger leistet genau das: Lebenshilfe.

Ein Satz für das Wortschatzkästchen:

„Sprache ist sehr wichtig“, sagt HSV-Trainer Jol, „man kann ohne Sprache kommunizieren, aber mit ist es einfacher.“

[Roger Repplinger: Lass mich mit Waschmaschinen zufrieden, via dugehstniemalsallein.de]

(Ich müsste jetzt hier irgendwas schlußfolgern, aber nö, vergiß es, ich erfreue mich einfach an der Vorstellung, dass es in diesen Breiten Menschen gibt, die wissen, was genau man mit Manioka machen muss, damit Essbares daraus entsteht, und dieses Wissen mit Fußballerehegattinnen zu teilen bereit sind. Ich wöllte, ich könnte das auch.)

They can´t take that away from me.

Wenn im Kindergarten der Fotograf kam, legte er den kleinen Mädels für´s Porträtfoto eine Puppe in den Arm. Schön war die, mit langen blonden Haaren zum Zöpfe reinflechten, und mit einem viel hübscheren Kleid als man selber eins an hatte. Kleine Mädchen freunden sich schnell mit blonden Puppen an. Und dann blitzt es dreimal, und zack! reißen sie einem die Puppe wieder weg, um sie dem nächsten kleinen Mädchen zu geben.

An dieses Gefühl hab ich mich eben erinnert. Das traditionelle Weihnachtssingen an der Mittellinie ist ein Stück weniger traditionell und ein Stück weiter weg von der Mittellinie. Hoffentlich nur in diesem Jahr.

Auf Grund der Baumaßnahmen kann das Weihnachtssingen leider nicht in unserem Stadion An der Alten Försterei stattfinden. Dank der Genehmigung des Bezirksamtes Treptow-Köpenick haben wir jedoch einen attraktiven Ausweichplatz gefunden. So findet das diesjährige Weihnachtssingen am 23.12.2008 um 19.00 Uhr einmalig in der Altstadt Köpenick im Luisenhain statt.

[Oskar Kosche, Vereinsnews vom 27.11. 2008]

Hm. Ich such jetzt das Bild mit der Puppe und kucke nach, ob die wirklich so hübsch ist, wie ich sie in Erinnerung habe.

Banausenkultur.

Die Uraufführung in der Freiheit 15 in Köpenick liegt inzwischen zwei Jahre zurück, die Begeisterung bleibt ungebrochen. Vom 2.-7. Dezember 2008 gibts deshalb eine Neuauflage von Jörg Steinbergs “Stück zum Spiel”, das hierzublog bereits an anderer Stelle Erwähnung fand. Ich gehe da nächste Woche Freitag nur hin, um diesen Dialog zu hören:

Sohn: Papa, du begreifst nichts! Auch dein Verein wird sich dem Kommerz unterwerfen müssen, wenn er das nicht schon längst getan hat.
Vater: Denkst Du, ich erkenne die Zusammenhänge nicht? Aber wir sind anders! Wir werden uns, solange es geht, dagegen wehren!
Sohn: Indem ihr einfach nur Scheiße spielt, oder wie?

[Jörg Steinberg: Und niemals vergessen: EISERN UNION! - Das Stück zum Spiel]

Aber auch, weil mit Samuel Hof einer der tollsten Bühnenbildner von Welt dort einen hervorragenden Job gemacht hat. Und wegen Karin Düwel, Natascha Paulick, Frank Auerbach, Alexander Hörbe, Chris Lopatta und Dirk Schoedon. Naja, ein bißchen sicher auch deshalb, weil meine rote Trainingsjacke einfach mal wieder raus muss.

„Porque tiene cojones.“

… ist eine gute Begründung für alles mögliche, aber um mit Fidel Castro zu sympathisieren? Da bewölken doch so ein, zwei Zweifel meine Stirn.

Kusturica hat einen Film über Maradona gemacht, der Tagesspiegel hat drüber geschrieben, das Babylon in Mitte zeigt ihn heute und morgen.

Auf eine Weise, die ich mich noch immer zu verstehen bemühe, mischen sich in Südamerika Fußball und Politik auf popkultureller Ebene – etwas, das bei uns, wenn nicht verpönt, so doch zumindest unerwünscht oder wenigstens lächerlich ist. Man stelle sich den Bundestrainer angetan mit einem ernst gemeinten Angela-Merkel-Fan-T-Shirt vor. Und kein Wort gegen Rosa Luxemburg, aber auf eine Sportlerwade tätowiert fände ich sie einigermaßen seltsam.

Auf den Kusturica-Film bin ich trotzdem gespannt.

Maradona by Kusturica
Samstag, 20:00 Uhr // Sonntag 18:00 Uhr
Kino Babylon
U-Rosa-Luxemburg-Platz

Wer nie sein Brot im Bette aß, weiß nicht wie Krümel pieken.

Um Hoffenheim geht es nur dem Titel nach, eigentlich hat Frédéric drüben bei Spreeblicks eine kleine Geschichte der Fußballfankultur geschrieben.

Mal was ganz anderes: Es gibt es viererlei Sorten Fans.

Die erste Kategorie ist gar kein Fußballfan, sondern Anhänger eines Vereins. Um Fußball geht es da recht selten, ansonsten würden Borussia Dortmund, Energie Cottbus und der HSV die meiste Zeit vor leeren Rängen spielen. Es geht um Tradition, um Blut, Schweiß und Tränen, um Treue und um Passion. Das Fansein kann sich niemand mit einer Eintrittskarte erkaufen, sie muss erlitten werden: Wer nie seine Bratwurst mit Tränen aß, der wird das nicht verstehen.

Kommt das außer mir noch jemandem bekannt vor? Ja? Da bin ich aber froh. Auch wenn ich mich sehr ungern kategorisieren lasse.

HallelujaSushiSushiBangBang.

Da fällt mir nix zu ein. Karim, ey! Ich glaubs ja nicht.

Union in Regensburg. Live!

Und was machen wir morgen? Wir reißen die Kommunikationsherrschaft an uns!

Die ungeschlagen beste und kompakteste aller Zusammenfassungen zum Vorgang DFB vs. Jens Weinreich:

Es wor amol a Präsident
Den hat ma Demagoge nennt
Zurescht-des muss ma hie mol sage
Des war so, ehrlisch, keine Frage
Des konnt de Präsident nisch leide
Wollt die Gerichtsbütt net vermeide
Sei Klag wurd zweimol abgeschmettät
Do hat der Mo sisch nu gerättät
Indem er lücht, die Wahrheit biecht
Und sacht: Nä, mir han doch gesiecht

Narhalla Marsch!

[Manfred kommentiert "Wir sind das Netz" beim Trainer drüben.]

Die komplette Geschichte kann man bei Jens Weinreich selber nachlesen. Sollte man sogar.

Schneewalzer.

“Wie siehts in und an anderen Stadien aus?”, fragt nolookpass, und ich behaupte daraufhin unverfroren, weil ich bereits seit Oktober heize, dass auch in Köpenick heute wieder Wetter stattfindet.

Union spielt währenddessen auswärts in SchneebergRegensburg, und sofern sich das Reporterteam bis dorthin durchschlägt und das Spiel nicht abgesagt wird, werden mööp und ich heute ab 19 Uhr wieder livebloggen.