Monthly Archive for Oktober, 2008

Wünsch Dir was.

Nachdem Emden heute gewonnen hat, ist Union die Nummer Zwei der 3.Liga. Mein privatpersönlicher Wunschwunsch: Herbstmeister werden. Aber was wünscht ihr euch denn so? Von euren Vereinen, von meinem Verein, von diesem Blog, und überhaupt?

Ist Livebloggen ein Feature? Ist Werbungschalten hinnehmbar (es gab heute ein entsprechendes Angebot, und ich denke darüber nach)? Interessiert euch Internetschnickschnack? Werden Interviews gewünscht, und wenn ja, mit wem? Gibt es Kategorien, um die wir uns dringend mehr kümmern sollten? Themen, an die wir überhaupt noch nie gedacht haben? Will vielleicht mal einer ´n podcast machen? Müssen wir aus eurer Sicht stylisher werden, oder investigativer, seriöser, ernster oder spielberichtslastiger? Brauchen wir mehr Musik? Hat einer ein gutes Keksrezept? Ist es sinnvoll, den Angeboten der offiziellen Webseite und den Dutzenden Fanpages noch etwas hinzuzufügen?

Wir hatten gestern abend erstaunliche Zahlen bei den Seitenaufrufen, und uns interessiert, warum ihr gekommen, geblieben oder gegangen seid. Wir können nicht versprechen, dass wir alle Vorschläge umsetzen. Aber wir werden´s zumindest mal versuchen.

Stuttgarter Kickers vs. 1.FC Union Berlin

Live von der Waldau, live aus Degerloch.

Wir versuchen uns heute ab 19:00 Uhr an einem Liveblogging aus dem GAZi-Stadion von der Partie Stuttgarter Kickers vs. 1.FC Union Berlin. Wie das funktioniert, sieht man sehr schön drüben beim Spielmacher. Unser Kurier ist bereits vor Ort und gibt durch, was so geht auf´m Ground. Kommt alle!

Wie es geht.

Als Stresshormon vermittelt Adrenalin eine Steigerung der Herzfrequenz, einen Anstieg des Blutdrucks, eine Erweiterung der Bronchiolen, eine schnelle Bereitstellung von Energiereserven durch Fettabbau sowie die Freisetzung und Biosynthese von Glucose.

[Wikipedia:Adrenalin]

Adrenalin ist, was dich pumpen lässt wie ein Maikäfer, wenn deines Herzens Mannschaft 0:2 zurückliegt und den Anschlusstreffer schafft, obwohl sie nur noch zu zehnt auf dem Platz steht. Adrenalin ist das Zeug, dass dir erlaubt, jenseits deiner Kraftreserven wie bescheuert hochzuspringen, und airjordanmäßig in der Luft stehen zu bleiben, als der Ausgleich fällt. Adrenalin verleiht Bierbechern Flügel und lässt Menschen auf Zäune klettern. Der Jubelschrei zum Siegtreffer ist allein mit Adrenalin aber nicht zu erklären: Das war kein menschliches Geräusch.

Ich habe noch Stunden später gezittert.

Ganz ausgezeichnete Spitzenlaune.

Soviel Drama war lange nicht.

[Danke an daniel_r_ für den Link auf die Zusammenfassung des Unfassbaren und an Freddie für die Titelzeile.]

Risiko des Ruhms.

Matze Koch fragt Nico Patschinski im Namen des kicker das eine oder andere zu diesem und zu jenem:

kicker: Warum werden Sie öfter kritisiert als andere Akteure?

Patschinski: Das würde ich auch gern wissen. Dass ich nicht leicht zu handhaben bin, steht fest. Manchmal fühle ich mich ungerecht behandelt. In allen Belangen muss ich aber kein Vorbild sein. Ich lebe schließlich nicht in totaler Askese.

Aus Gründen denke ich dabei sofort an Funny van Dannen.

Ich bin manchmal zum Kotzen, auch wenn ich nett erscheine.
Dann sage ich Sachen, die ich genau so meine.

Die Vorbildfunktion von Fußballspielern bekäme ich gerne mal von jemandem erklärt, der sich damit auskennt. Ich kann mir rein gar nichts darunter vorstellen. Viel gesundes Obst und nicht rauchen? Jeden Tag Sport und früh ins Bett? Keine Kusinen, keine Whirlpools?

Es gibt dieses wunderbare Buch von Kathrin Passig & Sascha Lobo, das ich ganz bestimmt irgendwann lesen werde, “Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin”. In dem dazugehörigen Blog steht das Klügste, was je über Selbstdisziplin gesagt worden ist.

Selbstdisziplin ist eine Kettensäge: Man kann mit ihr ganze Wälder voller Bäume fällen, sich aber auch nebenbei ein Bein amputieren.

Wenn mit Vorbildfunktion nun eigentlich Kettensägenmassaker und das Zurückschneiden von Persönlichkeitsmerkmalen gemeint ist, bin ich dagegen. Ich glaube allerdings, dass Nico Patschinski nur deshalb mehr kritisiert wird, weil Guido Spork inzwischen woanders spielt.

Nachgefragt.

Wie versprochen gibt es heute das Interview mit Holger Bahra, dem Torwarttrainer des 1.FC Union Berlin.

Holger, kannst Du Dich noch dran erinnern, warum Du mal angefangen hast mit Fußballspielen?
Das ist lange her, angefangen hab ich so mit 5-6 Jahren. Mein Vater hat aktiv Handball gespielt, und er meinte, dass beim Fußball das Zuschauerinteresse einfach größer ist. Du denkst mit 6 Jahren natürlich nicht an Berufsfußball. Aber die Richtung wurde schon so vom Elternhaus gelenkt.

Und wolltest Du Torwart werden, oder bist Du das eher versehentlich geworden?
Nein, das hat sich einfach irgendwann so ergeben. Ich hab auch draußen im Feld gespielt, aber wie es so ist – dann fehlt mal einer, und der größte geht ins Tor. Und das hat ganz gut geklappt. Ich hab mit sieben, acht Jahren immer noch gewechselt, draußen/drinnen gespielt, keine feste Position gehabt.

Ein paar Spieler, Steffen Baumgart zum Beispiel, oder David Bergner, haben zum Ende ihrer aktiven Zeit angefangen, den Trainerschein zu machen, weil klar war, dass sie im Bereich Fußball bleiben wollen. Wie sah der Wechsel zur Trainerseite bei Dir aus, der ja mitten in die Wendezeit hinein fiel?
Ich hab vor der Wende in Magdeburg gespielt, und es gab dort die Möglichkeit, an der DFK zu studieren, im Fernstudium. Das hat sich über fünf Jahre hingezogen, danach war ich Diplomsportlehrer. Nach der Wende brach einiges zusammen, auch im Fußball. Ich hatte mir gesagt, na gut – machst du eben eine Umschulung, und hab auch wirklich eine gemacht, im Kfz-Bereich, was Handwerkliches … Und dann bin ich mit ´nem bißchen Glück hier reingerutscht. Damals war der Sportdirektor hier Lothar Hamann, den kannte ich noch, und der rief mich an: wir brauchen einen Torwarttrainer. Ich hab das erst nebenberuflich gemacht. Es wurde dann immer mehr, ich war auch im Nachwuchsbereich tätig, so dass es jetzt ein fulltime-Job geworden ist.

Seit wann bist Du eigentlich hier?
Seit Februar 2005.

Du trainierst nicht nur Jan Glinker, sondern die anderen Torhüter auch?
Priorität haben die, die zur ersten Mannschaft gehören – also Carsten Busch, der leider länger ausfällt, Eric Niendorf, der jetzt zur Auswahl ist [U21-Länderpokal], und Jan Glinker. Dann bin ich aber natürlich auch bei der Zweiten, um mir zumindest mal den Leistungsstand des Nachwuchses anzusehen.

Wie stark bist Du als Torwarttrainer vom Cheftrainer abhängig? Hergekommen bist Du noch unter Frank Lieberam, wenn ich mich richtig erinnere.
Sicherlich ist man da vom Chef abhängig. Es gibt ja nicht nur die individuelle Sache des Torwarttrainings, du musst den Keeper ins Mannschaftsgefüge einbeziehen, bei Spielen, bei Torschussübungen und so weiter, und du musst absprechen, was auf dem Programm steht – und das entscheidet immer der, der den Hut auf hat, und den sie zuerst fragen, warum es nicht läuft.

Ist es für Dich interessant, Dir andere Torhüter anzusehen, den Adler, oder den Rensing oder den Neuer – was die so können, und wie da trainiert wird, oder ist das zu weit weg?
Nein, das wär schon interessant, aber weil wir dann meist selber spielen, Samstag oder Sonntag, hast du da kaum Chancen, dir das anzusehen, höchstens vielleicht mal bei der Hertha. Ich verfolge das in den Medien, aber wenn man vor Ort ist, ist das immer ganz anders.

Und vergleichst Du das mit Deiner Arbeit? Was ist für Dich ein guter Torwart?
Einen Torwart zeichnen Sachen aus wie Stellungsspiel, Reaktion, Reflexe, Strafraumbeherrschung, auf der Linie – das sind die Komponenten, die im Vordergrund stehen. Mannschaftsdienliches Spiel kommt dazu. Und durch die Änderung der Rückpassregel muss der Torwart die Bälle mit den Füßen annehmen können. Klar sieht man bei den anderen dann auch, wo die etwas voraus sind, aber auch, wo sie es nicht sind. Und die da in der ersten Bundesliga spielen, die haben da schon ihre Berechtigung, und die sind natürlich einen Tick weiter als unsere.

Beim Spiel gegen Magdeburg spielte Jan Glinker in den letzten zwei, drei Minuten nur noch in der gegnerischen Hälfte. Macht auch das einen guten Torhüter aus, dass er praktisch „fangender Feldspieler“ ist?
Naja – der Spielstand war 2:1 für Magdeburg, und dann spielst du eben in den letzten zwei, drei Minuten alles nach vorne. Das hat man auch in der Bundesliga schon gesehen, dass der Torwart in solchen Situationen im gegnerischen Strafraum nochmal für Verwirrung sorgt – oder eben auch nicht. Ansonsten sollte man aber die Ordnung schon behalten.

Ich glaub, es war Neuer, dem sein Trainer bescheinigt, als Feldspieler durchaus regionalliagatauglich zu sein.
Klar. Das Spiel geht dahin. Du musst die fußballerische Komponente mitbringen, Rückpässe anzunehmen oder direkt zu schlagen. Der Torwart muss nicht nur fangen, der muss auch fußballerisch mitdenken und spielen können.

Wenn der Torwart zweimal hintereinander Unioner des Jahres geworden ist, weiß der Torwarttrainer, dass er alles richtig gemacht hat. Er weiß aber auch, dass er da einen sehr talentierten Spieler vor sich hat. Gehört einer wie Jan Glinker in die Dritte Liga?
Er hat noch einen Vertrag bis Ende der Saison, und sicherlich wird man versuchen, wenn die Leistungen stimmen, also weiterhin so bleiben, ihn zu halten. Aber es werden sich auch andere Vereine umsehen, auf der Suche nach guten Spielern ist jeder Verein – und auch nach guten Torhütern. Und Jan Glinker ist noch jung, also entwicklungsfähig. Das muss noch nicht das letzte gewesen sein, und jeder sollte danach streben, so hoch wie möglich zu spielen. Und er will das auch, sicherlich.

Würdest Du von Dir selber sagen, Du bist auch Fußballfan, oder ist Fußball ein Beruf, und zuhause züchtest Du dann aber lieber Rosen? Oder kann man das gar nicht so trennen?
Das kannst du nicht trennen, das ist ein nahtloser Übergang. Du kommst nach Hause, stellst den Fernseher an und siehst Fußball, und nicht irgendeine Serie. Wobei man da im Stadion natürlich immer noch einen ganz anderen Blick hat als beim Fernsehen, weil man da, auch wenn die Kamera gerade nicht beim Torwart ist, sieht, wie er sich zu dem Spiel verhält. Geht er raus, spielt er mit, spielt er nicht mit? Das siehst du ja im Fernsehen recht selten, das torwartspezifische Spiel ist im Fernsehen kaum auszumachen.

Du gehst also schon noch ins Stadion und kuckst Dir was an?
Soweit es meine Zeit erlaubt, klar. Ich mach aber auch viel Spielbeobachtungen bei unterklassigen Mannschaften.

Das ist dann aber auch nicht zum Spaß, weil Du sagst, ich möcht´ mir jetzt mal schönen Fußball ankucken, Championsleague oder so.
Doch, schon – der Spaß lässt sich mit dem beruflichen gut verbinden. Ich sag nicht „oh, Scheiße, jetzt musst du da hin“, ich guck mir das Fußballspiel an und gleichzeitig gewinne ich Erkenntnisse.

Hast Du´n Lieblingsspieler?
Meine Lieblingsspieler sind immer die, die die Tore machen. Oder, die die hinten keine kassieren.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast!

Jemandem einen Paroli anbieten.

Ach nein, das ist ja erst nächste Woche. Heute soll es um das Ausgeben von Parolen gehen. Die Verkündigung von Losungen, Motti, Marschrouten & Saisonzielen. Nachdem Union auf Platz 11 des Weserstadions 1:2 gegen Bremen II gewonnen hat, finden wir uns am Ende des 10. Spieltages auf dem zweiten Tabellenplatz wieder.

Ein hervorragender Gedanke zur Gestaltung des weiteren Saisonverlaufs ist mir heute per twitter zugeflogen:

den 1. Tabellenplatz, den wir nächste Woche beziehen, müssen wir dann nur noch bis Ende Mai 09 halten.
[daniel_r_]

Wir sehen uns kommenden Sonnabend, wenn es heißt: Paroli für Paderborn.

Sich verdichtende Gerüchte.

Hans Meyer is back, sagen die, die und die. Ich möchte das mal unkommentiert so stehen lassen und einige vorfreudige Purzelbäume schlagen.

Ultras Kutten Hooligans.

Vieles an dem Buch von Frank Willmann und Harald Hauswald wurde zu Recht bemängelt. Die Bildunterschriften etwa. Fehlende journalistische Sorgfalt. Aber, werfe ich ein. Aber: die Fotos!

Harald Hauswald ist kein Fußball-Fotograf. Den “Chronisten Ostdeutschlands” nennen sie ihn. Auch ein nett gemeintes, doofes Etikett. Er hat eigentlich nur einige der besten Reportagen fotografiert, die überhaupt jemals gedruckt erschienen sind. Nicht mehr. Nicht weniger.

Ich möchte die Ausstellung sehen und nehme gerne jeden mit, der auch dahin will.

Galerie December
Greifswalder Str. 217 – 10405 Berlin
Ausstellungsdauer: 17.10.2008 – 21.11.2008
Öffnungszeiten: Di – Sa 15:00 – 20:00 Uhr und So 14:00 – 17:00 Uhr