Heute im Kurier: Mutu reinmachen.
Monthly Archive for Juni, 2008Page 3 of 4
Wer mit Adlerpass verreist, hasst, wenn´s um Fußball geht, Holland wie die Pest. Götz Widmann kann das - bloß mir gelingt es momentan einfach nicht. Ich könnte denen stun-den-lang zukucken und mich mit sehr viel oh! und ah! und toll! und kuckedochma! völlig sinnlos freuen, über jedes einzelne dieser unglaublichen Tore, und zwar vermutlich selbst dann noch, wenn sie die Mannschaft meines Herzens aus dem Turnier werfen. Aber ich bin ja auch mit Österreichern befreundet (Grüße nach Wien!).
Der schönste Satz von gestern betraf das Himmelblau am holländischen Unterbein und geht so:
Avakian –  scheiss auf die Strümpfe, wichtig ist in den Strümpfen
Heute im Kurier: Ottokrator.
Da bauste Staunklötzer. Die Österreicher retten sich mit einem Elfmeter, Deutschland verliert gegen Kroatien. Auf Spreeblick macht Malte was mit Mathe, und in den Kommentaren wird die Frage gestellt, was BILD schriebe, wenn Deutschland gegen Österreich verlöre. Da allgemein davon ausgegangen wird, dass das nicht passiert, bleibt sie leider unbeantwortet. Was schade ist, denn hier bieten sich Wortspiele aus der Hölle förmlich an.
Heute im Kurier: Frohnaldo.
Der Mitkucker meinte: unverdient, und aus der Hauptstadt gingen Beschwerden ein. Das Wetter sei schlecht, die Kopfwette dahin, im internen Tippspiel läge man zurück, das Quaresma-Tor sei so weder geplant noch gewollt gewesen, alles in allem: ein Scheißtag. Es gibt darauf nur eine Antwort: Unterschätze die Portugiesen nicht. Nie. Nirgends. Sicherlich war das weder Brüssler Spitzenspiel noch Elsterglanzleistung. Wenn gestern eine Mannschaft angenehm auffiel, dann die Tschechen, die sich im Vergleich zu ihrem Auftaktspiel enorm gesteigert haben. (Vielleicht ist man immer nur so gut wie der Gegner, und gegen eine Gurkenmannschaft gibts dann eben ein Gurkenspiel.) Die Portugiesen hatten das Glück, das ihnen im ersten Spiel gefehlt hat. Die Schweiz hatte  das Pech, die Schweiz zu sein.
Eine Frage an die Expertenrunde hätt ich trotzdem noch: nachdem die Türkei und die Tschechische Republik in Punkten und Toren absolut gleich stehen, wieso werden in der Tabelle die Tschechen vor den Türken geführt? Ist das so wie Hagen sagt,” Herzlichen Glückwunsch, Sie sind im Alfabet früher dran und haben deshalb gewonnen!”, und was passiert eigentlich, wenn die gegeneinander unentschieden spielen?
[Nachtrag: Es ist jetzt 17 Uhr 12, und ich stelle beim Lesen des Internets fest, dass es drüben bei EURO 2008 eine ganz hervorragende kleine Übersicht gibt, die Menschen wie mir erklärt, was geht, wenn nichts geht. Seitdem warte ich darauf, dass ich an einem Losentscheid teilhaben darf. Meinen Kommentatoren möchte ich für die erhellenden Ausführungen danken. Ich staune, was ihr so alles wisst.]
In der Nacht von gestern auf heute entspann sich ein lebhafter Mailwechsel zwischen Neukölln und Friedrichshain, in dessen Verlauf ich erst nachdenklich, dann mißmutig und kurz darauf  zänkisch wurde.  Gomes ist nicht Toni ist nicht Koller ist nicht Henry ist nicht Adebayor ist nicht Van Nistelrooy – kurz : ist kein Mittelstürmer. Sagt Fred. Als ich eben das Spiel der Italiener gegen die Holländer  gesehen hab, na, eigentlich war´s  eher andersrum, wusste ich, dass er Recht hatte. Ich zahnknirsche, während ich das schreibe.
(Aber apropos “nicht Henry” – ich hab von Blau gegen Gelb nur die letzte halbe Stunde gesehen. Die fühlte sich beinahe griechisch an.)
Peter sagt, das Ergebnis der Schweizer ginge deshalb in Ordnung, und zwar auch für die Schweizer, weil die, wenn sie ins Finale kämen, in Wien spielen müssten. Und dann, sagt Peter, ärgern die sich richtig. Schade trotzdem, entgegne ich, mir sind sie nämlich ausnehmend sympathisch, die Schweizer. Ehrlich, ich hatte Heimatgefühle. Die spielen wie Union. Rot gewandet, sehr engagiert und vollkommen aussichtslos. Mindestens zweimal dachte ich gestern “oh, das kenn ich – ein astreiner Karim”, und ich bin jetzt unsicher, ob Union so gut ist, oder die Schweiz so ungut.
Mitten in der zweiten Halbzeit des Portugalspiels rief mich eine befreundete Wahlhamburgerin an, sehr besorgt, “Wie gehts Dir denn?” und “Isses nicht furchtbar?” Gemeint war nicht das Spiel, glaube ich, sondern das Verhältnis Torchance zu Tor auf portugiesischer Seite. Kurz darauf  Pepe, und selbst mööp, der behauptet, Kreuzberg rockt mehr, gibt zu: schön gespielt. Als das zwei-null fällt, wird versucht, mir mit den Worten “Ruhig, Brauner” eine überstürzte Flugbuchung nach Lissabon auszureden. Ich glaube nämlich fest daran, gestern abend den Europameister 2008 gesehen zu haben. (Nein, Frédéric: nicht die Türkei. Wirklich nicht.)
Eine Anregung noch an  Bildregie und Kommentator vom ZDF: Ich hätte ganz gerne das Spiel Portugal-Türkei gesehen, nicht die Cristiano-Ronaldo-Show. Vielleicht kann man das nächstens berücksichtigen.
(Den wunderbaren Spielplan vedanke ich dem Spielmacher von euro2008. Ich danke schön dafür und werde ihn gewissenhaft ausfüllen. Im ganzen Stück fotografiert wird er aber erst am Schluss, freudentränenverschmiert, hoffentlich.)









