Monthly Archive for June, 2008

Tach Neunzehn.

Hundstage. Köterstimmung. Und Jens Lehmann sprach, der Konjunktiv sei der Feind des Verlierers. (Ich dachte, ich hätte mich verhört, aber er hat das extra für mich gleich nochmal gesagt. Frau Lierhaus kann es bestätigen.)

Glückwünsche an die Spanier, die ein sensationelles Turnier gespielt haben!

Die finale Stimmungskanone.

Ehrlich, ich bin froh, dass es heute abend zuende geht.  So froh, dass mir fast schon egal ist, wer gewinnt, und wie hoch und in welchen Farben. Ich will wieder richtigen Fußball sehen. So welchen, der nach frisch gemähtem Rasen riecht. Fußball, bei dem die Luft staubig ist und Opas mit Schiebermützen Expertengespräche führen. Wo´s für einen Pass, der ankommt, Szenenapplaus gibt. Danach geht man nach Hause, wertet auf dem Waldspaziergang das Spiel aus, und wenn es ein sehr schlimmes Spiel war, kehrt man noch bei Tante Maggie ein, oder geht in die Abseitsfalle, und trinkt sich´s zurecht. Anderntags sind alle wieder normal.

In den letzten zwei Wochen fehlte mir eben das: Normalität. Man lief so rum, draußen, und dachte sich: dit is besoffen. Dit komplette deutsche Volk is besoffen.

Nun ist dieses Phänomen der bevölkerungsübergreifenden Fußball-Begeisterung nicht ganz neu. Schon 2006 gingen selbst Hausfrauen im Deutschland-Trikot zum Einkaufen, flaggten ganze Straßenzüge Schwarz-Rot-Gold und verbrachten Hunderttausende ihren Jahresurlaub auf den Fanmeilen der Republik. Es waren dies aber keine Fußballfans im eigentlichen Sinn, keine Stadiongänger und Auswärtsfahrer mit Hunderten Spielen auf dem Buckel.

[Philipp Köster: Keine Ahnung? Kein Problem! 11Freunde ]

Im Gegensatz zu Philipp Köster finde ich nicht, dass es bessere und schlechtere Fans gibt. Auch nicht, dass man auswärtsfahrend Stadion-Credibility erwerben muss. Hausfrauen in Trikots können sehr sexy sein. Und ein Abseits erkenne ich auch erst in der dritten Zeitlupe. Bloß dieser Irrsinn im Zwei-Jahres-Takt, der ist anstrengend. Was bringt Menschen dazu, alle zwei Jahre mal nach dem Fußball zu sehen? Was außer Hinterköpfen sieht man auf einer Fanmeile? Feiert man sich da leer, auf Vorrat, ganz so, als gäbs nicht 24 Monate später das Selbe nochmal in einer anderen Stadt? Hat man nach der großen Party den großen Kater und braucht zweimal 365 Tage, bis das Bier wieder schmeckt?

Und vor allem: Was ist denn so´n bißchen Europameister gegen einen Zweitligaaufstieg von Union?

Ganz genau. Nüschte.

Ich bitte daher auch und gerade beim Feiern immer die Verhältnismäßigkeit zu beachten. Vielen Dank!

Der Traumsturm, den wir nie hatten.

Tach Achtzehn.

Der ungemein gutaussehende  türkische Zigarettenhändler meines Vertrauens, der mit der Kiezprinzessin vom Bäcker gegenüber verbandelt ist, gratulierte mir (ausgerechnet mir!) gestern zum Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen die Türkei, und beide kuckten wir gespannt in die Röhre: gegen wen denn nun, im Finale? Mit Spanien hats dann wider Erwarten doch noch eine Mannschaft geschafft, die nicht nur schön, sondern auch erfolgreich spielt. Und jung ist. Und toll. Ich freu mich auf die, und ich freu mich auf Sonntag.

Tach Siebzehn.

Halbzeit 1:1, sagte der Pförtner uns im Druckstudio. Um fünf vor zehn raus da. An allen Unterwegsfernsehern gehalten. Spielt ja die Türkei, dachte ich. Gibt ja sowieso Verlängerung. Tja, schade! Dem Vernehmen nach hat zwar derjenige nichts verpasst, der nur die letzte Viertelstunde sah. Nur eben die Tore. Die waren tatsächlich alle schön, erzählt man sich. Als ich in den Biergarten kam, war das Spiel in der regulären Spielzeit beendet worden. Ich mein, wer rechnet denn mit sowas?

em-interpretationen auf köpenick-art …

… mit 8 stufen, dargereicht an rasierten gesichtern oder so ähnlich.

schwerbepackt und nah dem wohnzimmer musste ich feststellen, visuellen wünschen nicht nachkommen zu können. ein kurzes einarbeiten in die mms-technologie befriedigte dann aber doch wünsche einzelner damen. die bühnenbildner waren lange am werkeln und immernoch dabei und präsentierten uns als besonderen clou zwei hervorragend drapierte mischfahrzeuge da drüben an der gegengeraden.

alsbald sollten dann auch junges gemüse, neue zutaten und alte hasen den schwarz-rot-gelben eintopf darstellen – gewürzkugeln in schwarz-weiss flogen durch die schüssel – hausmannskost sagt man wohl dazu. dieser eintopf schmeckte in den vorjahren irgendwie besser…

erklärungen der rechten hand des restaurantbesitzers machten das gericht auch nicht gehaltvoller – fadenscheiniges wurde dargereicht und noch fehlende zutaten versprochen.

was bleibt übrig: solange noch alles möglich ist, spielen wir in rot, schwarz, gelb und der bart des stadionsprechers bleibt dran. schade, dass wir diesmal keine halbzeitergebnisse von den anderen plätzen präsentiert bekamen.

Kann losgehen!

DoYouFootball  hat uns ein feines neues Heimtrikot gebastelt. Bißchen Angst machen mir nur die ohropax-gelben Pokaltrikots. Den Gegnern hoffentlich auch.

Tach Sechzehn.

Astrein gestrandet, die Italiener. Das kam schon etwas überraschend.

Tach Fuffzehn.

Die falschen Kekse, in der Tat. Russisch Brot nämlich. Diese EM gefällt mir allspieltäglich weniger.

Tach Vierzehn.

Das Spiel an sich entfiel; man ging direkt zum Elfmeterschießen über.