Monthly Archive for November, 2007

Allianz der Jägermeister.

Nicht, dass es akut wäre, sondern nur, um mal ein paar Grenzpfähle einzuschlagen:

Der Clubname, das Vereinslogo, die Vereinsfarben und die Heimspielstätte – diese vier Säulen bilden die Grundfesten, an denen nicht mal ansatzweise gerüttelt werden darf und die keine Verhandlungsmasse bieten dürfen.

[Daniel Madlong, Unionforum]

Mein Lieblingsvorschlag aus der Diskussionsrunde über einen möglichen Verkauf der Namensrechte: Acht-zu-Null Arena An der Alten Försterei. Man braucht ja schließlich auch Träume.

[Nachtrag vom 4.12.2007: Genau, was ich dachte - jetzt wird Lotto für Union gespielt.]

Großgruppenpräzisionssingen.

Den Begriff prägte Cherrill Heaton* in einer Studie über das Singen der Fans bei Basketballspielen. Gemeint ist damit das zuverlässige Treffen der Tonhöhe durch eine große Menschengruppe ohne Stimmgabel oder Dirigent. Nach Heaton ist es der kleinste gemeinsame Nenner aller Stimmlagen und -geschlechter. Reinhard Kopiez** erklärt das selbe Phänomen für Fußballspiele mit dem “kollektiven Tonhöhengedächtnis”.

Na denn: Den Sieg vor den Augen / den Blick weit nach vorn … auf zum Großgruppenpräsizionssingen am Sonnabend in Düsseldorf!

*Cherrill P. Heaton: Air ball. Spontaneous large-group precision chanting. Popular Music & Society 1992, S.81-83.

** Reinhard Kopiez: Fußball – und was die Deutschen so dabei singen, oder: die Lieder des Volkes sind keine Volkslieder, Musica 1990, S.357-364.

Humankapital.

So heisst ein Lied von Funny van Dannen. So heisst auch meine aktuelle Lektüre, Christellas grünes Buch*, Untertitel: Die kommerzielle Verwertung von Bestandteilen des Persönlichkeitsrechts am Beispiel von Lizenzfußballspielern. Da dachte sich Württembergische Fußballverband offenbar: das kann ich auch. Und verklagt die Plattform hartplatzhelden.de. Ohne darüber nachzudenken, dass das gar keine Lizenzfußballspieler sind. Mal sehen, wann sie´s merken.

Gesehen hat´s fooligan, ausführlich dargestellt ist es bei heise, kommentiert wird´s auf´m bolzplatz, und natürlich bei den hartplatzhelden selber.

Fällt das Verklagen und die dadurch erzielte Medienaufmerksamkeit eigentlich unter Guerilla-Marketing?

*Christella Kraft heisst wirklich so und war bis Oktober 2007 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Prof. Breidenbach an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Das oben zitierte Buch liegt im Rahmen ihres Promotionsverfahrens derzeit der Juristischen Fakultät der Viadrina vor.

Der Schwan hat den Rucksack.

Diesen Satz benutzt ein User namens tpinbln im Unionforum als Signatur; ich verstehe ihn keinesfalls und finde ihn aber außerordentlich … bemerkenswert. Den Satz jetze.

Union lässt derweilen in Oberhausen ganz gewaltig Federn und kriegt auf´n Sack: Null-Drei. Schreibt sich scheiße, liest sich scheiße, und is´ auch scheiße. Caralho!

Hatte ich mich geirrt, gestern.

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Die Schäublone an einem Ort, an dem sie mich WIRKLICH überrascht hat. Soviel zu “keine Politik im Stadion” (ich hatte mich am Vorabend leichtfertig in dieser Richtung geäußert). Im Forum sofortige Wiederaufnahme der Diskussion:

Also ging es um was politisches … Mal ne kleine Frage: Was zum Teufel hat das bei Union zu suchen?

[unionfan, forum]

Darauf die prompte Antwort:

Leider zeigt sich hier teilweise das Bild des Fussballfans, den wirklich nix (außer sein Verein) interessiert… SOLCHE politik ist wichtig und betrifft alle… Ich finde es gut das darauf aufmerksam gemacht wird.

[drunknmunky, forum]

Und folgerichtig die Gegenstimmen:

Dann lasst solche Plakataktionen sein, wenn Union sie nicht duldet. Es gibt andere Wege! Druckt T-Shirt, fertigt Pins an und bringt die (gegen Bezahlung) unter die Leute. So was hat sich bei Union schon mal bewährt, zu Zeiten von Stasi 1.0

[andreas, forum]

Und nur, damit man auch versteht, was überhaupt los war:

Es wurde von unserem Herrn Sicherheitsbeauftragten angedroht, wenn das Teil nochmal gezeigt wird Stadionverbote verteilt werden.

[UnionerDirk, forum]

Allerdings:

Unser Präsident sagte vor nicht langer Zeit das man nicht unpolitisch sein kann, ich war bis heute anderer Meinung jedoch irren ist menschlich zumindest war es heute verdammt schwer seiner Linie treu zu bleiben. Denn nach meiner privaten Meinung haben die Wsler eigentlich alles richtig gemacht, sie haben Position bezogen in einer vieleicht streitbaren Ausdrucksweise aber meiner Meinung nach im Rahmen dessen was sein darf.

[Lars.S., forum]

Das Wuhlesyndikat HAT das Teil gezeigt, und ein Spruchband dazu, und noch ein Spruchband, und ein drittes Spruchband, und ist vorm Spielende geschlossen abmarschiert.

Wenn man bedenkt, wie wenig homogen so ein Stadionpublikum ist, erstaunt die absolute Einigkeit in bestimmten politischen Fragen. Aber wenn sich Leute inhaltlich einig sind, streiten sie sich halt über die äußere Form.

[Nachtrag: Zwei Tage später wird die Einigkeit sogar zum Ganz Großen Konsens, das WS gibt eine Stellungnahme ab, und das Präsidium findet nun auch öffentlich, dass das eine fußballbezogene politische Meinung war, die es zu schützen gilt.]

Bald nun ist Weihnachtszeit.

… und heut gab´s Marzipan.

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Ostderby vs. Traditionsduell.

UNS am Sonnabend gegen Magdeburg. Das Forum diskutiert den Begriff “Ostderby”:

geographisch liegt berlin, und damit union, sicherlich im osten. mental dürften sich allerdings unioner kaum als “ostler” fühlen (z.b. ich mit sicherheit nicht) – die praktisch nie zu sehenden ddr-fahnen bei union verdeutlichen dies; wohingegegn in erfurt, dresden oder der übrigen zone derartiges regelmäßig am stadionzaun hängt – dort also die verbundenheit mit der ddr offenbar ganz andere dimensionen annimmt.

[ruepel, Unionforum]

Das führt auf direktem Wege zu der Frage: Wie adaptiere ich Vereinsgeschichte? “Wir aus dem Osten” – so fängt unsere Hymne an. Zu DDR-Zeiten wäre “Wir aus Berlin” korrekt gewesen. Das Gegenstück zum der Rest der Republik.

[Nachtrag vom 11.11.07: "Stevie macht noch den Ausgleich" schreibt mir der Nachbar von Hinterderbrücke, und "Ich bin sicherlich nicht zufrieden mit dem Ergebnis - mit dem Spiel meiner Mannschaft schon" sagt Uwe Neuhaus.]

[EISERNE] Menschen.

Georg Krause und Matti Michalke haben seit 1993 [EISERNE] MENSCHEN fotografiert. Der daraus entstandene Bildband ist eigentlich ein Familienporträt.

Ein paar Sachen, die mir Matti heute zum Drübernachdenken für die Diplomarbeit mit auf den Weg gegeben hat:

Das Individuum geht verloren. Der Stadionsprecher bedankt sich gegen Ende des Spiels bei sechstausendfünfhundert Stück Mensch, für sechstausendfünfhundert Mal zehn Euro – und nicht bei sechstausendfünfhundert Mal einem Menschen, der mit Herzblut dabei ist.

Fußballkultur kommt von unten.

Im Stadion hast Du den Eindruck, Du wärst dabei, Du könntest Einfluss nehmen. Du bist nicht Block B, Reihe 7, Platz 12. Und wenn Du rufst “Patsche, Hintermann” – es kann ja sein, dass er das tatsächlich hört.

Wo sonst in der Gesellschaft gibt es diese Bereitschaft zu leiden? Zu sagen “Ich nehme die Niederlage an”? Wo sonst hält die Niederlage vom vorigen Wochenende, der Abstieg in der letzten Saison niemanden davon ab, trotzdem wieder hinzugehen?

Wer richtig Fußball spielt, haut nicht mehr.

Danke dafür!

Ich bau´ mir ein Haus aus Styropor.

Kurz Gänsehaut gekriegt:

Denn WIR, ca. 4500 Mitglieder und im Schnitt dann vielleicht ca. 10.000-15000 Fussballfans in Berlin und Umgebung wollen dieses Stadion. Niemand anderer sonst hat daran irgendein Interesse.

[Adam´s, Unionforum]

Für´s Protokoll: um´s Wohnzimmer gehts. Weil das Thema grad wieder in der Tagespresse aufkam. Wenn man kurz auf die Zahlen sieht, klingt dieses WIR sehr laut und machtvoll nach. Wie wenn man zu spät zum Spiel kommt, und beim Weg durch den Wald schon die Kurve und die Gerade wechselseitig singen hört. Ein Schlachtruf wie Donnerhall.

Já chegamos? Quero fazer chi-chi.

Die drei am häufigsten verwendeten Sätze des vergangenen Wochenendes:

Já chegamos? Onde fica a casa de banho? Queria um gelado.

(Nein, das ist NICHT italienisch.)

Sonst so:

In Mailand gewesen, in Turin gewesen, und Inter gegen Juventus nicht gesehen. Luis Figo nicht gesehen. Dafür mit einem Jungen mit Inter-Schal in Turin spazieren gewesen. Auch schön – aber als Groundhopping gilt das wohl noch nicht.

Währenddessen verschenkt Union gegen Verl zuhause zwei Punkte.