Monthly Archive for August, 2007

Trikottausch am Tischkicker.

Das Lexikon der bösen Menschen, Heute: Buchstabe T

Mein Überbös ist die U21 der Tischkicker. (Kann auch die U18 sein, wenn man den Gesprächsbeiträgen der Gastmannschaften im Treppenhaus lauscht.)

Mein Überbös terminiert seine Spiele gerne auf wochentags ab 23.30 Uhr. Sozusagen Flutlichtspiele. Nehme an, dass es sich zu Zeiten familienfreundlicher Vierzehnuhrspiele selber im Stadion herumtreibt. Womöglich steht es im Block neben mir?!

-Neeneenee, so wie die aussehen, gehn die zu Hertha. Oder Schlimmeres.

Der Trainer vom Überbös – also: dem sein Stuhl wackelt ja gewaltig. Und das hörste auch, auf den abgeschliffenen Dielen. Und was der immer aufgeregt rumbrüllt, wenn sein Bier warm ist, und die Bratwurst kalt. Da wird sofort der Mannschaftsbetreuer rübergeschickt, zum Kiezshop, türzuknall, rappelrappel, trepperunter, rappelrappel, trepperauf, türaufreiß-und-wieder-zu-knall. Bitteschön, Chef!

Und Choreografien haben sie. Ergreifend! Bunte Rauchschwaden im Treppenhaus. (Oder die Praktikanntinnen der Geschäftsstelle wurde zum Rauchen rausgeschickt? Ich weiß es nicht. Ich kann nur mutmaßen. ) Kronkorken und Leergut verschönern den Weg. Fröhliche, farbenfrohe Papierflusen, liebevoll von Flaschenhälsen gepuhlt, dekorieren die Fensterbretter, Fußabtreter und Flurböden. Ich weiß gleich, dass ich hier zuhause bin. Und dass es wieder so weit ist.

Und jedesmal überleg ich: lad ich die grünweiße Trachtengruppe jetzt ein, oder lieber später? Als VIP-Gäste, versteht sich.

Ich hab noch nie ein Spiel vom Überbös verpasst. Geht gar nicht. Man schlummert sanft weg, klappernd kullert die Murmel ins Aus, und natürlich auf die Dielen wieder, die geschliffenen. Irgendwer gewinnt, die anderen nicht, tanzend tauscht man trotzdem Trikots aus, oder Holzschuhe. Wenn se doch wenigstens Kunstrasen hätten! Oder Filzbälle. Oder Filz…pantoffeln.

Ich glaub, ich muss die sponsern. Kunstrasen! Weiß einer, was der Quadratmeter kostet?

Dennis duzt Dich.

Tube hatte letztens eine Geschichte über einen, der nicht weiß, ob er seine Arbeitskollegin duzen oder siezen soll. Ich wünschte, alle Menschen würden darüber so lange nachdenken wie Tube. Man kann sich dann zwar immer noch falsch entscheiden, hat aber wenigstens mal nachgedacht.

Den Rausch ausspielen.

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Alle dachten sich: so kann´s weiter gehen. Und dann ging´s so weiter.

Und weil ich immer noch Komplimente über unseren 11er sammle:

spork hat heute ja das gemacht, was man von einem staubsauger vor der abwehr erwartet. die ‘ein zwei zuckerpässe’, von denen hier gesprochen wurde, habe ich zwar nicht erkennen können, allerdings fiel auf, dass guido DER mann war, welcher stets den vorwärtsdrang der jungwölfe unterbunden hat. was der die gelegt hat, vor allem in der ersten hälfte, köstlich. nie grob, immer so, dass es den gegner anpisste, der schiri sich aber nicht genötigt sah, ihn vom platz zu stellen.

(Hotmailgrobi, Unionforum)

Ein Mensch, dessen Meinung in fußballerischen Belangen ich im Übrigen sehr schätze, nennt denselben Sachverhalt “defensiver Muttifußball”. Lustig!

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Begeisterung, wortlose.

Gestern abend, und ich sitz´ ohne Internet im Oderbruch:

Eintracht Braunschweig – 1. FC Union Berlin 3:5

Wie man sagt.

Eben, im Auto:

Ich wär so gerne promiskuitiv und bin doch leider nur polytoxikoman.

(Lassie Singers)

Der Anwendungsbereich solcher Wörter in der Umgangssprache ist so überschaubar wie der Anwendungsbereich dieses Satzes. Eher sagt man ja doch “ich will ficken, bin aber zu besoffen”. Außer man ist Thomas Mann. Dann sagt man aber auch “Die Funeralien gestalteten sich … zu keiner sehr würdigen Feier” statt “Beerdigung? War Scheiße”.

Quer verliert.

BSV Kickers Emden – 1. FC Union Berlin 1:0

In quergestreiften Trikots kann man nicht gewinnen.

Goethe. Oder meine Mutter.

Im Interview mit den Sportfreunden Stiller auf 11Freunde was Schönes über Mehmet Scholl aufgeschnappt:

Auf die Frage, was er im nächsten Leben werden wolle, hat Scholl geantwortet: „Hund von Uli Hoeneß“.

Und ich dachte, seit ich fooligan lese, sei ich über solcherart Aussprüche umfassend informiert. Aber nee – es irrt der Mensch, solang er strebt lebt. Wer hatte das gleich noch gesagt?

Wie das Volk mal ungebeten seine Meinung äußerte.

Aufgespießt gestern abend auf der Niederbarnimstraße:

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Alle war´n se da.

2:1 gegen Dortmund II – und ick hab´s nich jesehn. Was sind das für Menschen, die rücksichtslos an Spieltagen Hochzeit feiern?

Bei den 11Freunden schönes Interview mit Steffen Baumgart:

Sie waren beim Pokal-Spiel Union Berlin gegen Eintracht Frankfurt im Publikum. War es eine zweite Niederlage für Sie?

Irgendwo schon, ja. Denn ich bin dem Verein Union Berlin immer noch sehr verbunden.

Das stieß auf sehr viel Gegenliebe. Die Kapitänsbinde verwahrt ihm solange die Abseitsfalle.

Einwurf.

Wo heute bei Spreeblicks drüben Tag des Buches ist: Klaus Theweleit hat ein Buch geschrieben, das “Tor zur Welt” heisst, und das ich in Sachen Diplomarbeit gerade lese. Darin steht zum Beispiel das hier:

Wer autorisiert also wen zum Schreiben über Fußball? Der Ball und das Spiel sind etwas so Allgemeines wie die Atemluft. Auch diese teilen wir mit allen Sorten Schurken. Wer verweigert also wem die Autorisierung?

Das verstimmt mich nachdenklich. Ich würde ganz gerne auf den schriftlichen, den Theorieteil der Diplomarbeit verzichten. Ich fühle mich nicht autorisiert. Ganz von selbst.

Alle mir bekannten Menschen, die über Fußball schreiben, spielen selber oder haben gespielt. Mir fehlt sozusagen bolzplatz credibility.